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Strom-Diebstahl

 

lamps.jpgStrom-Diebstahl?

 

Nein natürlich nicht, aber eigentlich doch. Was? Wie?

 

Ich fange am Besten ganz von vorn an:

 

Schon als Kind (um 1956) hatte ich von meinem Onkel Willi (ein begnadeter Radiobastler schon seit den zwanziger Jahren) gehört, wie er damals - das waren die Jahre um 1947-1950 - auf dem Kleingartengrundstück (wir Berliner nannten das "Laube") von Bekannten von ihm, den nahen RIAS-Sender "anzapfte".

 

Anzapfte? Ja, der Mittelwellensender des RIAS sendete damals mit Hochfrequenz-Sendeleistungen von 50 Kilowatt, später mit mehr als 100 Kilowatt. Insbesondere in der Nähe des Senders (bis ca. 1500 Meter) war die Feldenergie so stark, dass man mit einem Stück Draht (so 10-20 Meter) als Antenne und einem Detektorradio (besonders dicht am Sender reichte auch nur ein Antennendraht, eine Glühbirne und ein Erdanschluß) einen kleinen Teil der Senderenergie zum Betrieb einer Glühlampe nutzen konnte.

 

1omega.jpg

(Photo Links: Mittelwellen-Detektorempfänger)


Mein Onkel Willi berichtete, dass kleine Niedervolt-Lampen, wie z.B. Skalenbirnen für Radios (siehe Photo oben), zum Leuchten gebracht werden konnten. Bei geschicktem Antennenaufbau und guter Erde (mit oder ohne Detektorapparat) konnten sogar mehre Skalenbirnen betrieben werden. Beim Bericht über diese Aktivitäten bekam mein Onkel einen eigenartigen Glanz in den Augen ...

 

Ich habe ihm damals noch nicht so richtig geglaubt, hörte dann aber im Laufe der Jahre immer wieder von diesen "Senderanzapfungen" auch von anderen Leuten. Irgendwie habe ich aber die Anekdote dann doch wieder vergessen.

 

Erst als ich während meiner Lehrjahre bei Radio Lippmann in Berlin Tempelhof 1965 für ein Jahr in die Fernsehzentralwerkstatt im Tempelhofer Weg (unweit des Sender-Geländes, ca. 430 Meter vom Sendemast entfernt) des RIAS Berlin in Britz versetzt wurde, fiel mir die Geschichte von Onkel Willi wieder ein.

 

Natürlich kamen wir Lehrlinge sofort auf die Idee, es meinem Onkel Willi nachzumachen. Schnell waren an die 10 Meter Draht auf dem Firmenhof gespannt. Erde (Wasserleitung) kein Problem. Einige Skalenbirnen (6,3 V / 0,1 A und 18 V / 0,1 A und 4 V / 0,05 A) wurden direkt angeschlossen.

 

Und siehe da: Zumindest die 4 Volt / 0,05 Ampere - Birne begann doch tatsächlich an zu leuchten!

 

Am nächsten Tag brachte ich meinen Detektor-Apparat mit. Der verwendete einen Sirutor als Gleichrichter. Wohl durch die Resonanspannungserhöhung des Schwingkreises schafften wir es so, sogar die 6,3 V / 0,1 A zum deutlichen Leuchten zu bringen!!!

 

Mein Onkel Willi erhielt nun von mir bezüglich seiner Geschichte aus den Jahren um 1948 vollen Respekt. Es war und ist so, daß dieses "Anzapfen" eines Rundfunksenders nicht gestattet ist. In so fern war das damals wohl Stromdiebstahl. Ich denke aber, das ist zwischenzeitlich verjährt ...

 

 


 

 

Nur bedingt zum Thema "Stromdiebstahl" passend, aber zur Örtlichkeit der oben erwähnten Fernsehzentralwerkstatt: Bedingt durch die Nähe zum RIAS-Sender gab es dort auf der Herrentoilette das Phänomen des Radioempfangs des RIAS ohne jegliches Radio!  Das Radioprogramm wurde aus der Wasserleitung im Toiletten-Vorraum hörbar!!! Als Ursachte vermuteten wir Halbleiter-Effekte zwischen zwei Rohrgewinde-Stücken, die sich durch die entstehende elektrische Spannung in mechanische Feinstbewegungen umwandelten.

 

Eine erfundene Geschichte? Nein! Es ist die reine Wahrheit.

 

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10.04.2013 / 21.11.2013

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