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Erste Transistorradios. Kleinstes deutsches Transistorradio. Transistortechnik

Aktuell 2014: 60 Jahre Transistor-Radio!

 

oc74.jpgDie Transistoren wurden um 1947 in den USA entwickelt und führten 1954 zum ersten Volltransistorradio (von Regency). In Deutschland kamen um 1952 erste Transistoren auf den Markt. Erste Angebote von deutschen Volltransistorgeräten gab es um 1957. Vorführ-Modelle gab es aber schon auf der Funkausstellung 1955, aber eben keine Serie-Produktionen.   

 

Transistorradios konnten kleiner gestaltet werden und verbrauchten weniger Strom als Röhrengeräte, waren sofort nach dem Einschalten empfangsbereit.

 

In den Übergangsjahren von der Röhrentechnik zur Transistortechnik gab es auch sogenannte Hybridradios, also Geräte in denen sowohl Röhren als auch Transistoren verwendet wurden. Der Grund dafür: Die frühen Transistoren waren gut im Niederfrequenzbereich zu verwenden. HF-Aufgaben und UKW konnten sie (noch) weniger gut umsetzen.

 

Einige Beispiele für solche  Hybrid-Radios aus den Jahren 1956 / 57:

 

  • Akkord Trifels
  • Akkord Tronsola
  • Akkord Transola E
  • Grundig Transistor-Boy L
  • Grundig Transistor-Boy T
  • Grundig Drucktasten-Boy T
  • Philips Babette LD472BT
  • Schaub-Lorenz Bamby 9050
  • Braun Transistor 1

 

Besonders klein war das damals sogenannte volltransistorisierte  Subminiaturradio Solo-Boy von Grundig (. Mehr dazu weiter unten...


Eine kleine Einführung in die Transistor-Technik unten auf dieser Seite.

 

 

Regency. Erstes Volltransistor-Radio

regency.jpg

Im Jahr 1954 kam in den USA das erste Volltransistor-Radio auf den Markt. Das Gerät hatte vier Texas Instruments Transistoren: TI223, 2*TI222, TI210 und eine Diode. Betriebsspannung 22.5 V! Mittelwelle (b.c. band). Kopfhöreranschluss.
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Die NF-Ausgangsleistung war recht knapp bemessen, da nur eine Stufe zur Verfügung stand, allerdings brachte die hohe Betriebsspannung von 22,5 Volt hier eine gewisse Reserve.
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Das Gerätchen kostete damals $ 49.95. Die Batterie konnte für ca 20 Stunden bei moderater Lautstärke Empfang bieten.
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Das war nicht viel, mit ein Grund, dass in der Geräteschaltung versucht wurde, mit allen "Tricks" den Strom gering zu halten, so auch die besondere Basisvorpannungserzeugung des zweiten ZF-Transistors (siehe weiter unten).
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Richard C. Koch gilt als Entwickler des TR-1 bei Regeny Electronics Inc. aus Indianapolis, Indiana, USA.  Er hatte wohl auch Patente im Bereich von Transistorradios.

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Regency TR-1 Schaltbild

Superhet mit additiver Mischstufe und zwei ZF-Verstärkerstufen, Diodengleichrichtung und Regelspannungsrückführung zur ersten ZF-Stufe. Die ZF-Stufen (Resonant bei 262 kHz!!!) sind doppelt kompensiert und stabilisiert durch Neutralisation und HF-Emitterstrom-Verkopplung. Einstufiger NF-Verstärker, von dessem Emitter ein Basisvorspannungssignal zum 2. ZF-Verstärker-Transistor geführt wird. Es handelt sich hier um NPN-Germanium-Transistoren (Pfeil am Emitter zeigt nach aussen).  

 

Mehr Details zur Schaltung hier

 

Der Regency im Wumpus-Online-Museum

 

 

 

Alsbald folgte in den USA das Volltransistorradio  von Raytheon 8TP1 (1955) mit 8 Transistoren.

 

   Die ersten deutschen Volltransistor- Serien- Kofferradios:

 

 

partner.jpg 

Telefunken "Partner", 1957

Transistoren: OC613, 2*OC612, OC604, OC604spez. MW.
Machmal wird der TR1 von Telefunken als erstes deutsches Transistor-Radio genannt. Dieses Gerät war aber nur ein Test-Modell.


-- Anklicken --

partner-schalt.jpg

Schaltbild vom Telefunken Partner.

Superhet mit additiver Mischstufe mit zwei ZF-Stufen, Diodengleichrichtung  und

Regelspannungserzeugung für erste ZF-Stufe, zweistufiger NF-Verstärker.

ZF-Stufen jeweils neutralisiert und kompensiert (stabilsiert). Es handelt sich hier um

PNP-Germaniumtransistoren. Das Gerät verfügt über einen zweistufigen NF-Verstärker. Die Kopplung von NF-Vorstufe zur NF-Endstufe erfolgt per "Widerstandskopplung". Kein Kopfhöreranschluß.

 

Genau genommen gab es von Telefunken in Deutschland schon  1955 ein Transistorradio, den TR1, allerdings eher ein Labor-Modell oder bestenfalls ein Kleinstserien-Gerät ohne echte Markteinführung.

 

 


 

 

peggie.jpg

Akkord "Peggie" (hier Variante B), 1957.
Transistoren: OC34, 2*OC45, OC71, OC72. MW. Kein Kopfhöreranschluß.

Das Gerät ist in mehren Versionen erschienen (A, B, S)

 

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peggie-schalt.jpg

Schaltbild vom Akkord Peggie.

Superhet mit additiver Mischstufe mit zwei ZF-Stufen, Diodengleichrichtung  und

Regelspannungserzeugung für erste ZF-Stufe, zweistufiger NF-Verstärker.

ZF-Stufen jeweils neutralisiert (1 kOhm / 47 pF, 1 kOhm / 39 pF) und kompensiert (stabilisiert). Arbeitspunkt des ersten ZF-Transistors einstellbar. Pegel-Begrenzer-Schaltung durch Diode OA70 am T1. Durch D3 in Verbindung mit der Ausgangstrafo-Wicklung wird die Stufe dynamisch gegengekoppelt. Der Lautsprecher ist per Spartrafo angekoppelt. Eine eher seltene Schaltung, da hier auch ein wenig Gleichstrom durch den Lautsprecher fließt. Kein Kopfhöereanschluß.

 

Die Schaltungen vom TR10 und Peggie sind teilweise  recht ähnlich.

 

Nachtrag 10/2015: Weitergehende Informationen zum Akkord Peggie: Zeitschrift "Funkgeschichte" der GFGF, Ausgabe 223, Seite 186 u. folgende.

 


 

sternchen61.jpg

VEB Stern Sonneberg, später Berlin "Sternchen". 1959.
Erster Volltransistor-Empfänger der emaligen DDR. Das Photo zeigt die Variante von 1961.
Transistoren: OC44, 2*OC45, OC811, 2*OC816.  Superhet.

 

- anklicken -

Sternchen Radio Schaltbild

Schaltbild vom Sternchen

Superhet mit additiver Mischstufe und PNP-Transistoren. Das "Sternchen" hat schon einen zweistufigen NF-Verstärker, wobei die Lautsprecherendstufe im Gegentaktbetrieb arbeitet und 60 mW liefern kann. Die Kopplung von NF-Vorstufe zur Endstufe erfolgt über Transformator. Lautsprecher abschaltbar beim Einsteckern eines Ohrhörers.

 

Das Gerät nutzt eine  ZF-Neutralisierung (10 pF und die Anzapfung der ZF-Schwingkreise mit gleichzeitiger Impedanzanpassung an den Arbeitswiderstand des Transistors)) aus. Die NF-Vorstufe kommt ohne Basisvorspannungs-Teiler aus, arbeitet also mit automatischer Vorspannungserzeugung. Die gemeinsame Basisvorspannung der Endstufentransistoren wird temperatur-geregelt (100 Ohm). Die 9 Volt-Batterie sollte ca 50 Betriebstunden sicherstellen.

 

 


 

 

Braun PT 1, 1959. Designer Dieter Rams

Transistor-Radio (LW-MW-KW) mit Plattenspieler

 

Die kleinsten deutschen Transistorradios der frühen sechziger Jahre:

 

Einige Firmen (z.B. Grundig und Stern Radio Berlin) brachten bald einige  recht kleine Transistorradios (teilweise Subminiatur-Radios) auf den Markt:

 

Davon war der Solo-Boy das kleinste Radio und gehörte zur Gruppe der Subminiaturradios.  Erst 1963 bot Tokyo mit dem Candle MTR-716 und 1964 Standard mit dem Micro Ruby noch kleinere Geräte.

 


 

Eine kleine Einführung in die Transistor-Technik:

 

 

 

trsym.jpgÜber Jahrzehnte (1923 - ca. 1958 mit gleitenden Übergang) dominierten Radioröhren die Verstärker und Gleichrichtertechnik im Radio. (Wie ein Röhrenradio funktioniert, kann hier nachgelesen werden).

 

Röhren haben aber gewisse Nachteile: So benötigen sie eine eingebaute Heizung, um Elektronen aus der glühenden Kathode austreten lassen zu können. Dadurch wird viel Hitze im Radio erzeugt und Strom verbraucht. Weiter brauchen die meisten Röhren hohe Betriebsspannungen, die auch Stromschlaggefahren für die Benutzer bringen. Weiter waren Röhren Verbrauchsartikel, die von Zeit zu Zeit ersetzt werden mussten.

 

oc72.jpgTransistoren kommen ohne Zusatzheizungen aus und benötigen nur geringe und ungefährliche Spannungen (ca. 2 Volt bis 22,5 Volt. Spannungen bis 60 Volt gelten als ungefährlich). Schließlich sind Transistoren deutlich kleiner als Röhren, sodaß Transistorradios erheblich kompakter als Röhrenradios ausfallen können.

 

Allerdings mußten damals auch nunmehr sehr kompakte weitere Bauteile für diese kleinen Radios entwickelt werden. Erst so wurden echte Miniaturradios und Subminiaturradios Realität.

 

Ein Einblick in die Transistor-Geschichte hier.

 

pnp-npn.jpgEin früher Transistor hat zumeist drei Anschlüsse (ausser einem eventuellen Schirmungs-Anschluß). Die drei Anschlüsse werden (1) Emitter (auf Skizze unten rechts mit Pfeil),  (2) Basis (auf  Skizze links) und  (3) Collector (auf Skizze oben) genannt. Im Prinzip arbeitet ein Transistor ähnlich wie eine Röhren-Triode.

 

Transistoren werden aus Halbleitermaterial, wie Germanium (bei den frühen Transistoren) oder Silizium aufgebaut. In komplizierten technischen Verfahren werden die Halbleitermaterialien so beeinflußt, dass sich von der Basis aus zwei Dioden in Richtung Emitter und Collector ausbilden.

 

Aus dem Emitter treten Elektronen zum Collector über, wenn eine geeignete Steuerspannung an die Basis angelegt wird. Allerdings fließt ein Strom  nur in Abhängigkeit eines schwachen steuernden Stroms, der über die Basis zufließt. Damit stellt der Transistor ein gutes Verstärker- und / oder Gleichrichter-Element dar. Grundprinzip: Ein sehr kleiner Basis-Steuerstrom ruft einen großen Emitter-Collector-Strom hervor --> Verstärkerwirkung.

 

Es gibt: PNP-Transistoren (oft Germanium-Transistoren). Hier muß der Collector  eine negative Versorgungsspannung gebenüber dem Emitter haben. Es gibt weiterhin: NPN-Transistor  (oft Silizium-Transistoren). Hier ist es umgekehrt: Der Collector muß eine positive Versorgungsspannung gegenüber dem Emitter haben. PNP-Transistoren erkennt man so: An dem in das Transistorsymbol hineinzeigende Pfeil-Zeichen am Emitter. Beim NPN zeigt dieser Emitter-Pfeil aus den Transistor heraus.

 

Germanium-Transistoren hatten gegenüber Silizium-Transistoren den Nachteil, daß sie erheblich temperaturempfindlicher waren, Erhitzungen von größer  60 Grad konnten schnell zu immer stärkeren Stromfluß bis hin zur Zerstörung des Transistors führen. Deshalb waren frühe Transistorradios schon gefährdet, wenn ein Radio zu lange in der Sonne stand. Man versuchte über recht hohe Emitterwiderstände oder möglichst niederohmige Basisvorspannungs-Spannungsteiler und temperaturabhängige Widerstände  und / oder Dioden eine automatische Temperaturkompensation zu erreichen.

 

An Hand des folgenden Beispiels eines frühen Transistorradios (Regency TR-1) sollen die Transistoren und deren Umgebung im Radio beschrieben werden:

 

regencys.jpg

 

 

Dieses Transistor-Radio hat vier NPN-Transistoren und eine Diode. Die Transistoren sind im Schaltbild an den Kreissymbolen zu erkennen. Dabei kommt von links der Anschluß zur Basis, von unten der Anschluß zum Emitter und von oben der zum Collector. Die Gleichrichter-Diode ist das kleine Dreieck neben den 20 nf-Kondensator. Betriebsspannung: Ein kleiner 22,5 Volt Batterieblock. (Spätere Transistorradios kamen mit Spannungen von 4,5 - 9 Volt aus.)

 

Das gezeigte Transistorradio ist ein Superhetempfänger mit additiver Mischstufe. Da dieses Radio keine NF-Vorstufe hat, ist die erreichbare Lautstärke bei Lautsprecherempfang doch begrenzt. Es setzten sich folglich später nur Transistorradios durch, die eine solche NF-Vorstufe hatten und später auch mit Gegentakt-Endstufen arbeiteten.

 

Der linke Transistor (TI223) bildet die kombinierte Hochfrequenz-Mischstufe und gleichzeitig Oszillatorstufe. Darauf folgen die beiden Transistoren TI222 als Zwischenfrequenzverstärker. Schließlich folgt der Transistor TI210 als Niederfrequenzverstärker und Lautsprecherverstärker. Das Signal vom ZF-Verstärker wird mit der Diode gleichgerichtet und dem Lautsprecherverstärker-Transistor TI210 zugeführt.

 

Von der Gleichricher-Diode wird der entstehende Gleichspannungsanteil als Regelspannung über den 2,7 kOhm  Widerstand zur Basis des ersten ZF-Transistors geleitet und somit schwankende Senderfeldstärken ausgeglichen.

 

Sehen wir uns die Lautsprecher-Stufe mit dem Transistor TI210 genauer an: Über den Lautsprecher-Transformator wird der positive Teil der Betriebsspannung (22,5 Volt) zum Collector zugeführt. Der Emitter des NPN-Transistors (mit Pfeilsymbol nach aussen) liegt über den Widerstand 1 kOhm zum negativen Teil der Betriebsspannung (22,5 Volt). Dieser 1 kOhm-Widerstand ist mit einem Elko 40 uF für den NF-Wechselstrom überbrückt. Der 1 kOhm Widerstand dient als Strombegrenzer und soll bei Erwärmung des Transistors dem zu starken Anstieg des Stroms durch den Transistor entgegen wirken. Weiter dient dieser Widerstand zur Basisvorspannungserzeugung des  zweiten ZF-Transitors (Stromeinsparung und Stabilisierung)

 

An der Basis des Transistors liegt ein Spannungsteiler (3,9 und 33 kOhm), der die  Basisvorspannung erzeugt. Diese geringe Basisorspannung stellt den Arbeitspunkt des Transistors auf A (Mitte des linearen Teils der Transistor-Kennlinie) ein. Das bedeutet: Der Transistor kann so das NF-Signal vom ZF-Gleichrichter gut und unverzerrt verstärken.

 

Der 2 uF- Koppel-Elko zwischen ZF-Gleichrichter-Diode und Basis des TI210 trennt die Basisvorspannung von der an der Gleichrichter-Diode entstehenden Regelspannung für die Mischstufe ab.

 

Auch in den Emitterleitungen der anderen Transistoren liegen Begrenzer-Widerstände, die u.a. die temperaturempfindlichen Transistoren vor Überhitzung schützen. Der Arbeitspunkt des zweiten ZF-Transistors wird über die abfallende Spannung am Emitterwiderstand des Lautsprecher-Transistors gebildet und dient so auch u.a. der  Stabilisierung der Gesamtschaltung.

 

Die Reihenschaltungen von 150 pF - Kondensator und 560 Ohm Widerstand im ZF-Teil dienen der Schwinggefahr-Verringerung (Neutralisierung). Das Radio kommt mit einer kleinen Ferrit-Antenne aus, Antenne und Erde werden nicht benötigt. Auch dadurch wird das Transistorradio gut portabel einsetzbar.

 

Nachtrag: Der damalige Entwicklungs-Ingenieur Koch legte im Detail die Schaltung so aus, daß zumindest teilweise die damals noch bei der Transistorenfertigung entstehenden großen Betriebsparameter- Varianzen kompensiert werden konnten. Dazu zählt die Neutralistion, die HF-mäßige Behandlung der ZF-Stufen-Emitterwiderstände, der NF-Emitter-Widerstand, das Vorhandensein der ZF-Collector-Widerstände, sowie die Basisvorspannungserzeugung des ersten ZF-Transistors über den Emitterwiderstand der NF-Stufe.

 

 

1998 / 18.01.2016

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