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Drahtfunk

 

 

Drahtfunk-VerteilerdoseWarum Drahtfunk? Weil der drahtlose Rundfunk damals auf Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle stattfand. Die Qualität des Radioempfang hing somit stark ab von der Tageszeit und Jahreszeit (Änderung der Ausbreitungsbedingungen), topograhischen Gegebenheiten (z.B. enge Täler), atmosphärischen Störungen (Gewitter-Blitze) und Störungen durch elektrische Geräte (Funkenerzeugung bei Straßenbahnen, Motoren, Überschlägen in Hochspannungsleitungen, usw.) Der Drahtfunk konnte diese Beeinträchtigungen weitgehend vermeiden.

 

Vorläufer des Drahtfunks: Schon vor Einführung des Rundfunks gab es drahtgebundene Nachrichten- und Informations-Systeme, die ihre Meldungen als Niederfrequenz über Kabel Abonnementen anboten, hauptsächlich in Bayern. Die Reichweite und Verteilmöglichkeit war aber sehr begrenzt.

 

Erste Versuche Niederfrequenz-Sprache/Musik-Übertragungen über Leitungen zu verbreiten, werden schon aus den Jahren 1877 aus den USA berichtet. Auch in Deutschland soll u.A. in Berlin eine Niederfrequenleitung von der Oper zum Kronprinzen-Palais existiert haben. Das waren aber 1:1-Übertragungen, die sich nicht an eine Mehrzahl von Höreren richteten.

 

graetz-skala-51w.jpg

Graetz 51 W, 1939. Skala mit Drahtfunk/Langwelle-Bereich

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Niederfrequenz- und Hochfrequenzdrahtfunk:

Es gab damals zwei Varianten des Drahtfunks, die beide Zweidrahtleitungen nutzen, zumeist das oft schon vorhandene Telefonnetz. Bei NF-Drahtfunk wurde der Nachrichteninhalt direkt über Verstärker zum Empfangsort geleitet. Eigentlich konnte (anfangs) so nur ein Programm übertragen werden.  Andere Informationen, wie z.B. ein Telefongespräch waren nicht gleichzeitig übertragbar. Später konnte man vom Empfänger aus ein Signal an die Telefonzentrale geben und dort ein Umschalten zwischen mehren Kanälen erreichen.

 

Beispielsweise wurde in der Schweiz 1931 ein Niederfrequenz-Drahtfunk (Schweizer Telefonrundspruch) eingeführt, der das Telefonnetz nutzte. Bei ankommendem Telefongespräch wurde die Übertragung unterbrochen. Diese niederfrequente Variante benötige eigentlich kein Radio mit HF-Teil, es reichte ein NF-Verstärker mit Zusatzfunktionen: Mit einem Geber am Gerät konnte in der Telefonzentrale einer von 6 Programmen selektiert werden.

 

Die Schweiz stieg später auf ein HF-Drahtfunknetz um, welches durchaus als flächendeckend bezeichnet werden konnte. Mehr dazu weiter unten bei HF-Drahtfunk.

 

Es gab also auch reine NF-Drahtfunk-Empfänger, die auch mehre Programme via Draht empfangen konnten. Auch Radiofirmen bauten reine NF-Drahtfunkmodelle, beispielsweise den  TEKADE DF34W und den Biennophone 2066 (beide mit Wahloption zwischen 6 Programmen) oder  Lumophon WD21.

 

Beim HF-Drahtfunk wurde neben dem eigentlichen Telefon-Bereich zusätzlich ein Hochfrequenzsignal aufgelegt, auch mehre solche Signale waren hier möglich. Das waren echte Radiosignale (kleine Radiosender in den Telefon-Verteilungsstellen), die ihre Energie auf die Telefonleitungen einspeisten, und nebeneinander auf einem zumeist erweiterten Langwellenbereich aktiv waren. Es gab dafür Radios  mit einem angepassten oder zusätzlichen LW-Bereich. Vorteil dieses  Verfahrens: Man konnte telefonieren und gleichzeitig weiter Radio nutzen.

 

Drahtfunkeinführung (1925) 1935 / 1938: In den Jahren vor 1938 (Offizielle Einführung des Hochfrequenz-Drahtfunks) gab es Versuche und Testbetriebe in Deutschland und einigen anderen Ländern, z.B. Österreich, Italien, Ungarn, Sowjetunion, usw.:  Drahtfunk via Telefon-Leitungsnetz oder sonstigen Kabelnetzen. Ziel war die möglichst störungsfreie Übertragung von Rundfunk mit Hilfe des in Deutschland weitverbreiteten Telefon-Netzes.

 

Wie schon erwähnt gab es erste Versuche mit HF-Drahtfunk (in Bezug auf Deutschland) in Berlin und Hamburg schon 1935. Der HF-Pegel am Empfängereingang sollte 15-25 mV betragen. Andere Quellen weisen 1925 im Leipziger Raum auf Einkopplungen des dortigen Senders auf Welle 6000 Meter in das Stromversorgungsnetz aus (1).

 

Bis zu den Verteilungsämtern wurde das Signal der Rundfunkanstalten über das spezielle NF-Breitband-Netz der Reichspost, später der Bundespost  zugeführt oder schon von anderen Ämtern per HF-Drahtfunk. Die Dienststellen speisten mit Hilfe von Hochfrequenz-Sendern (die gleichzeitig den besseren Frequenzgang des NF-Breitband-Netzes auf 4,5 kHz einschränkten) das Signal in das Telefon-Netz ein. Eine solche Verteilerstation konnte ein Bereich von bis zu ca 50 Km Radius versorgen. Die Telefonübertragung war weiter sichergestellt, es traten kaum Störungen vom Drahtfunk im Telefonbereich ein.

 

Drahtfunk-VerteilerdoseIn den Wohnhäusern wurde in den Wohnungen eine Trennungs-Dose (siehe Photo rechts. Diese Dosen trennten den Telefon-Bereich vom Radiobereich) zwischen Telefon und Telefon-Anschlussdose angebracht. Hier wiederum konnte ein Radio mit Antenne und Erde angeschlossen werden. Das Radio musste allerdings den Drahtfunk-Bereich (LW-Bereich oder erweiterter LW-Bereich) verarbeiten können. Dieser Bereich lag zumindestens teilweise zwischen dem Langwellen- und Mittelwellenbereich.

 

Frequenzbereich des Drahtfunks: Es gibt hier in der Literatur und anderen Quellen unterschiedliche Angaben. So hat beispielsweise das Graetz-Radio 51W einen kombinierten  Drahtfunkbereich  /Langwellenbereich von 700-2000 Meter oder 150-430 kHz. Andere Radios vermerken auf der Skala nur im oberen Frequenzbereich des LW-Bandes * lapidar Drahtfunk. Die Zeitschrift Funktechnik Heft 3/1948 weist 160-270 kHz aus.

 

* = Der normale Radio-Langwellenbereich lag (in Abhängigkeit von den Jahren der Nutzung) bei 150-500 kHz, 150-400 kHz, 150-375 kHz, 150-350 kHz, 150-300 kHz.

 

Graetz 51W DrahtfunkDie Zeitschrift "Funktechnik", Heft 19.1947, nennt dagegen 250 und 300 Khz, in der Publikation "50 Jahre Rundfunk aus Sicht der Deutschen Fernmeldeverwaltung" wird 150-250 kHz angegeben. Es konnten dabei gleichzeitig mehrere Drahtfunk-Sender übertragen werden. So wurde 1948 in Berlin der NWDR auf 224 kHz, der RIAS (DIAS) auf 255 KHz, der Berliner Rundfunk auf 265 kHz übertragen, was ja noch im normalen LW-Bereich lag.

 

Leute, die noch eigene Erfahrungen mit Drahtfunk gemacht hatten, berichteteten von gelegentlichen Störungen durch reguläre weitentfernte Radiosender die auf Frequenzen des örtlichen Drahtfunks sendeten. Ausserdem waren wohl hin und wieder Wähl-Klacker-Geräusche (trotz der Trennweiche) im Radio zu hören, kann aber auch an fehlerhaften Weichen gelegen haben.

 

Der Drahtfunk wurde nicht flächendeckend angeboten, nur einige Großstädte wurden versorgt. Der HF-Sender-Einspeiseaufwand war doch recht erheblich. Dagegen konnten die Sendeleleistungen und relativ gering ausfallen, zumeist nur einige Hundert Watt.

 

In der Schweiz wurde nicht nur ein NF-Netz geboten, man erweiterte bald auf HF-Drahtfunk und zwar in ewta flächendeckend. Dabei wurde der Kanalabstand relativ groß gewählt. Dadurch war eine größe NF-Bandbreite möglich, wenn die Empfänger eine entsprechend breite Durchlasskurve hatte. So konnten bis zu 15 kHz erreicht werden.

 

2. Weltkrieg: Ausländische Störsender konnten so nicht wirksam werden. Auch wenn reguläre Rundfunksender während Luftangriffen der Alliierten im Zielgebiet ihre Sendungen unterbrachen (um nicht als Peilsender genutzt zu werden), konnte der  Drahtfunk weiter senden. Das Drahtfunknetz wurde bald (fast) nur noch zur Luftlage-Meldung genutzt.

 

Es gab - um möglichst vielen Haushalten den Zugang zu ermöglichen - sogar offizielle Anleitungen, wie man ohne Verteilerdose das Drahtfunksignal aus der Telefonleitung zum Radio ableiten konnte. Dazu wurden seitens der Verteilämter technische Voraussetzungen geschaffen, um auch ohne Verteilerdosen in den Häusern Drahtfunk mit normalen Radios hörbar zu machen. Denn eigentlich wollte der Drahtfunk ja nur Abonnenten diesen Service liefern. (2)  (7).

 

* = Der normale Radio-Langwellenbereich lag (in Abhängigkeit von den Jahren der Nutzung) bei 150-500 kHz, 150-400 kHz, 150-375 kHz, 150-350 kHz, 150-300 kHz.

 

Empfangsqualität: Tatsächlich war der Empfang für damalige Verhältnisse störarm. Atmosphärische Störungen (z.B. Gewitterkrachen, Strassenbahn-Prasseln, technische Geräte) traten deutlich geringer in Erscheinung. Man sagte damals: "Der Drahtfunk ist 'ruhiger' ". Auch trat kein Fading auf, eine weitere Komfort-Steigerung. Schließlich gab es keinen ausbreitungsmäßigen Tag-Nacht-Unterschied. Alles zusammen brachte einen sicheren und besseren Empfang.

 

Die Bandbreite des AM-Trägers mit seinen modulierten Seitenbändern entsprach dem des MW-Bereichs, will heißen, die Übertragunsqualität war ungefähr gleich, lag also bei ca. 50 - 4500 kHz

 

Verbreitung / Kosten, Umgehung der Sperren: Die Post berechnete Gebühren für die Bereitstellung des Drahtfunks. Deshalb versuchten viele Rundfunkbastler teilweise erfolgreich, die freiliegenden Telefonleitungen noch vor der Anschlußdose in der Wohnung oder sogar aussen  kapazitiv anzuzapfen, um in den Genuss des Drahtfunks zu kommen. Jedenfalls berechnete die Deutsche Bundespost 1951 für die Installation der Weiche ca. 12 DM und monatlich für drei Programme 1,50 DM (Quelle: Artikel von Karl Tetzer, Funktechnik 1951, Seite 607).

 

1954 gab es in Deutschland 46 Drahtfunk-Netzgruppen mit 362 Drahtfunkverstärkerämtern. In Berlin gab es das dichteste Netz. In Westberlin  verbreiten über 25000 Anschlüsse vier Programme: RIAS I und RIAS II, SFB I, SFB  II - NWDR. In Ostberlin soll es ca. 5500 Anschlüsse geben. Dort wird angeboten: Berlin I, Berlin III, Deutschlandsender, Stadtfunk. Man geht bundesweit von ca. 100000 Anschlüssen aus, höchste Verbreitung Hamburg, Dortmund, Kiel, Braunschweig. (Quelle: Funktechnik 1954, Seite507.)

 

Die Zeitschrift Funktechnik 1955, Seite 250 weist folgende Städte als Drahtfunk-versorgt aus:

 

Oberpostdirektion Netzgruppen Programme
Braunschweig Braunschweig, Einbeck, Göttingen, Goslar, Herberg NWDR
Bremen Bremen, Bremerhaven, Emden, Oldenburg, Osnabrück, Westerstede, Wilhelmshaven NWDR, Radio Bremen
Dortmund Dortmund, Lüdenscheid, Meschede, Siegen NWDR
Düsseldorf Düsseldorf, Essen, Wuppertal NWDR
Freiburg Lörrach SWF, HR, SDR, NWDR
Hamburg Cuxhaven, Hamburg, Lübeck, Lüneburg, Stade NWDR
Hannover Celle, Hameln, Hannover, Uelzen NWDR
Kiel Eckernförde, Elmshorn, Eutin, Flensburg, Heide, Husum, Kiel, Neumünster NWDR
München Augsburg, Bad Reichenhall, Garmisch-Partenkirchen, Immenstadt, Kempten, Kochel, Starnberg, Traunstein BR, SDR, SWF
Berlin (West) Berlin West SFB, RIAS

 

Noch bis 1967 wurde in Deutschland Drahtfunk angeboten. Eigentlich war der Drahtfunk der Vorläufer des heutigen Kabelfernsehens.

 

Zusätzliche Informationen von Konstantin Zaitzev
Hier in Russland ist der Drahtfunk noch in Gebrauch, als NF- und HF-System. Dieses System war in der UDSSR sehr populär, noch ist es in Gebrauch, stirbt langsam. Das System nutzt nicht das Telefonnetz, es wird ein eigenes Netz verwendet. Es werden 3 Kanäle genutzt, ein NF-Kanal und zwei Hochfrequenz-Kanäle bei 78 und 120 kHz. Da das ausserhalb des Standard-Langwellen-Bereiches liegt, sind Spezial-Empfänger notwendig. Diese Geräte werden heute nicht mehr gebaut, aber in Zeiten der Sowjet-Union waren diese Geräte unbeliebt, weil sie so teuer waren wie normale LW- und MW-Radios und keine offensichtlichen Vorteile hatten, ausser für die, welche nicht abstimmen wollten und es bevorzugten 3 Tasten zum Umschalten der Programme zu verwenden. Das am gebräuchlichsten Radio hatte nur einen Lautsprecher für ein Programm ohne Netzteil. Hauptverwendungszeit um 1930. Die HF-Kanäle wurde in den Sechsiger (Fünfziger) Jahren eingeführt.

 

Während der Essenszeiten und Nachts wurde die Ausstrahlung unterbrochen. Das begünstigte Radio-Piratentum (hier Huliganismus genannt). Es genügte, einen NF-Verstärker in das Netz einzukoppeln und die Zuhörer konnten in einem Radius von 0,5 bis 1 Km empfangen in Abhängigkeit mit der Ausgangsleistung. Als ich ein Schuljunge war, konnte ich mit 1-2 Watt-Verstärkern gute Resultate erreichen. Der offensichtliche Vorteil lag darin, dass keine Spezialgeräte benötigt wurden. Ein anderer und wichtigerer Vorteil lag darin, dass man nicht so leicht durch die Behörden gefangen werden konnte, als jene die Radiosender verwendeten, insbesondere weil es schwieriger war die Quelle des Signals im Drahtnetz zu finden als über die Luft, obwohl auch die Nichtnotwendigkeit von Spezialgeräten ihren Anteil daran hatte. (Stand 2007)

 


 

Quellenangaben:

(1) Zeitschrift "Funkgeschichte", GFGF, Heft 133, Seite 211

(2) Zeitschrift "Funkgeschichte", GFGF, Heft 135, Seite 37

(3) Allgemein: "Die Entwicklung des Drahtfunks", "Fortschritte der Funktechnik und ihrer Grenzgebiete". Bd 3, Seite 57. Francksche Verlagsbuchhandlung, 1938

(4) Allgemein: "Die technischen Einrichtungen des HF-Drahtfunks", Siemens - Veröffentlichungen aus dem Gebiet der Nachrichtentechnik 9, 1939

(5) Allgemein: Zeitschrift "Funktechnik", Heft ?, Jahr ?

(6) Allgemein: Zeitschrift "Radio hören". " Die Geschichte des Drahtfunks. Radio hören", W. Nübel, Heft 3, 1996

(7) Zeitschrift "Funkschau", Heft 9/10, 1944

 

Hinweise von: Konstantin Zaitzevf und  "HB9" aus dem Wumpus-Gollum-Forum.

 

 

09.02.2007 / 24.02.2017

 

NF-Drahtfunk-Empfänger DF34W

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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